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Krise bringt Urlauber wieder zurück zur Natur

Die wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst auch das Freizeitverhalten der Bürger in der Region. 

von Norman Dankerl

Warum denn in die Ferne schweifen? Die Frage, die sich schon Goethe stellte, scheint heute mehr denn je die Menschheit zu bewegen. Vor allem in Zeiten knapper Kassen überlegen die Menschen sehr genau, ob sie sich noch einen Trip in die Ferne noch leisten können.

„Die Leute sind zurückhaltender geworden, warten lieber ab und buchen spontan", sagt Reiseverkehrskauffrau Kerstin Wagner vom DER-Reisebüro in Neumarkt. Diese Einschätzung teilen auch weitere Reiseunternehmer im Landkreis, wie etwa der Büroleiter der „Urlaubsinsel", Christian Reininger. „Die Leute warten buchen kurzfristig, beziehungsweise schauen nach günstigen Angeboten." Vor allem Familien würden vermehrt auf das Auto ausweichen und Ziele in der Nähe ansteuern.

Die Zahlen des Tourismusverbandes Ostbayern geben den Trend schwarz auf weiß wieder. Im Bayerischen Jura, der die Städte und Landkreis Amberg, Amberg-Sulzbach, Neumarkt, Kelheim und Regensburg umfasst stiegen die Übernachtungszahlen auf knapp eine Million an. Auch in Franken setzte sich der Aufwärtstrend in der Tourismusbranche der vergangene Jahre fort. Wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, gleichzeitig Erster Vorsitzender des Tourismusverbandes Franken, kürzlich feststellte, konnte trotz deutlich schwächerer Konjunktur der positive Trend fortgesetzt werden.

Den Trend hin zum „Urlaub vor der Haustüre" verspürte auch Christine Riel, Tourismusreferentin am Landratsamt bei der Messe Freizeit, Garten und Tourismus in Nürnberg. Die Prospekte am Messestand waren „null kommanix" vergriffen.

Viele Kommunen nutzen die Gunst der Stunde und wuchern mit ihren „Pfunden", wie malerischen Rad- oder Wanderrouten, regionaler Gastronomie und Sehenswürdigkeiten.

So stellte der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) kürzlich 18 neue Routenvorschläge vor, darunter auch vier für den Landkreis Neumarkt. Im Mittelpunkt steht die Broschüre „Der Ring der Zeugenberge". Der Hauptweg, die Zeugenbergrunde, zählt inzwischen rund 40 Routen durch Deutschland, die mit dem Qualitätssiegel „Wanderbares Deutschland" ausgezeichnet worden sind. Wie der Autor des Heftes, Andreas Schettler, erklärte, beschreibt der Wanderführer auf 36 Seiten „sechs lohnende Panoramawanderungen durch die einzigartige Landschaft des Neumarkter Beckens". Schettler, Wirtschaftsgeograf und Wegereferent des Fränkischen Albvereins, hat die Wanderungen konzipiert. OB Thomas Thumann bezeichnete das Zeugenberg-Heft als ein Mittel, „das sicherlich noch mehr Freizeit-Touristen nach Neumarkt bringt."

Außerdem gibt noch drei weitere neue Prospekte, die in den Landkreis führen. Zum einen die Radtour „Immer dem Kirchturm nach" von Deining über Dietkirchen und Trautmannshofen nach Altdorf. „Durch den Pyrbaumer Forst" führt eine Wanderung von Harrlach nach Burgthann. Eine Broschüre gibt es jetzt auch zur Freizeitbuslinie Labertal-Express (Neumarkt, Habsberg, Velburg, Parsberger, Hohenfels), die bereits im vergangenen Jahr gestartet ist.

Einen Anstieg des „Outdoor-Tourismus" in unseren Breiten sieht auch Melanie Mehringer, PR-Mitarbeiterin bei Camping Berger. Vor allem junge Leute und Familien würden wieder vermehrt die Natur entdecken, ob beim Wandern oder Radeln, beim Campen oder Zelten.

Informationsquellen

62% aller Wanderer informieren sich über das Internet, 21% durch Prospekte

Quelle: Deutscher Wanderverband: Grundlagenuntersuchung Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern 2010; Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie 2010